Corinna – Boudoir, Endometriose, Adenomyose und dieser leise Mut. Eine Begegnung, die mich zutiefst berührt hat

Eine Frau liegt entspannt in Dessous auf einem weichen Fell, eingefangen bei einem Boudoirshooting. | © Stephan Rech Fotograf & Video

Eine Frau, ein Boudoirshooting, der Weg und mein Respekt für alles, was unsichtbar bleibt

Manchmal begleitet mich ein Boudoirshooting länger als andere. Nicht, weil es „besonders schön“ war – sondern, weil es mich als Mann und Boudoirfotograf wirklich tief berührt hat. Corinnas Boudoirshooting war so eins. Und ihr Boudoirshooting begleitet mich bis heute, weil es mir wieder gezeigt hat, wie viel eine Frau tragen kann, ohne dass man es ihr ansieht.

Corinna lebt seit längerer Zeit mit Endometriose – viele kennen es nur als „Endo“. Dazu kommt bei ihr auch „Adeno“ (Adenomyose) und Gefäßkompressionssyndrome. Als sie mir davon erzählte, habe ich sehr klar gespürt: Das ist kein „unangenehmer Zyklus“. Das ist eine Realität, die in viele Lebensbereiche hineinreicht – körperlich, emotional, im Alltag, im Selbstbild. Das ist ein Alltag, der oft aus Aushalten besteht.

Endometriose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der sich Fremdgewebe über das Lymphsystem im Körper ausbreiten kann. Sie gilt deshalb als Ganzkörpererkrankung und ist nicht nur auf den Unterleib beschränkt. Die sogenannten „Herde“ können hormonabhängig oder -unabhängig reagieren: Manche Betroffene haben vor allem zyklische Schmerzen (Periode/Eisprung), andere dauerhaft starke Schmerzen. Symptome können je nach Ort sehr unterschiedlich sein – z. B. Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Blut im Urin, Schmerzen beim Sex oder sogar Beschwerden in Brust/Schulterbereich (bei Befall im Brustraum). In schweren Fällen kann das Gewebe tief in Organe hineinwachsen (tief infiltrierende Endometriose) und Organe schädigen.

Adenomyose ist davon abzugrenzen: Hier wächst Schleimhautgewebe in die Muskelschicht der Gebärmutter ein. Typisch sind starke oder unregelmäßige Blutungen, krampfartige Regelschmerzen sowie Rücken- und Beckenschmerzen. Anders als bei Endometriose kann eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) bei Adenomyose eine mögliche Behandlung sein – allerdings eine sehr radikale.

Ich schreibe das so deutlich hin, weil ich inzwischen nach einigen recherchen weiß: Viele Frauen erleben genau das – und fühlen sich damit oft allein. Weil sie „funktionieren“. Weil man es ihnen nicht ansieht oder immer noch viele Ärzte es einfach als „normal“ abtut. Und weil sie viel zu häufig hören, sie sollen sich „nicht so anstellen“.

Vom Zweifel zum Vertrauen: Wie wir uns an das Boudoirshooting herangetastet haben

Als Corinna mir zum ersten Mal schrieb, war da Unsicherheit. Eine vorsichtige Distanz – und die war absolut nachvollziehbar. Ein Boudoirshooting ist intim. Und ich bin ein Mann. Ich weiß, dass das etwas auslösen kann: Fragen, Zweifel, Schutzmechanismen.

Wir haben uns nicht einfach „einen Termin gemacht“. Wir haben uns erst angenähert: Nachrichten, dann Telefonate. Und irgendwann war dieser Moment da, den man nicht erzwingen kann: Wir haben beide gespürt, dass die Chemie stimmt. Dass Vertrauen möglich ist. Und dass wir uns das gemeinsam trauen.

Für mich ist das immer der wichtigste Schritt – weil Boudoir nicht mit Posen beginnt, sondern mit Sicherheit.

Boudoir im Fotostudio Kassel – ein Raum, in dem du nichts beweisen musst

Am Shootingtag habe ich Corinna nicht als „Krankheit“ erlebt. Ich habe eine Frau erlebt, die schon so viel durchgemacht hat – und trotzdem noch diese feine, warme, lebendige Seite in sich trägt. Eine Weiblichkeit, die nicht nach Perfektion fragt.

In meinem Fotostudio in Kassel geht es im Boudoir nicht darum, irgendetwas „durchzuziehen“. Es geht darum, dass du dich sicher fühlst. Dass du Pausen bekommst. Dass du Wärme bekommst. Dass du dich nicht vergleichen musst. Und dass mein Blick auf dich nicht bewertet, sondern hält.

Wir haben im Boudoirshooting genau darauf geachtet: Pausen. Posen, die sich gut anfühlen. Nichts „übergehen“. Kein Druck. Sondern ein Raum, in dem sie sein durfte – mit allem, was zu ihr gehört.

Feminine Sinnlichkeit trotz Narben und gefäßschwacher Haut – und trotzdem so viel Weiblichkeit

Was mich dabei als Mann wirklich demütig macht: Wenn eine Frau mir – ausgerechnet mir – an so einem Tag so viel Vertrauen schenkt. Weil es ein Geschenk ist.

Corinna hat nicht versucht, ihre Narben zu verstecken, um „fototauglich“ zu sein. Sie hat sie integriert. Operationsnarben, eine Haut, die Spuren zeigt – Spuren, die erzählen, dass das Leben manchmal sehr weh tut. Und genau deshalb hat mich ihr Umgang damit so tief beeindruckt: nicht laut, sondern ehrlich und echt. Mit Momenten von Scham, Zweifel, Unsicherheit – und dann wieder mit diesem leisen Stolz und Trotz:
Ich darf mich trotzdem zeigen. Ich darf mich trotzdem schön fühlen.

Und in diesem Moment war sie für mich nicht weniger feminin – sondern im Gegenteil: noch mehr. Weil Weiblichkeit nichts mit Unversehrtheit zu tun hat. Sondern mit Präsenz.

Ihre Nachricht über ihr Boudorishooting danach – und warum ich darüber schreibe

Ein paar Tage später schrieb sie mir etwas, das ich nicht vergessen werde. Sie bedankte sich für meine Worte, die „direkt ins Herz“ gegangen seien. Und sie hat sich sehr gefreut, dass ich ihre Geschichte im Blog aufgreifen möchte – weil dadurch viele Frauen erreicht und Mut „gesät“ werden kann.

Sie schrieb auch, wie wichtig es ist, dass körperliche Veränderungen nicht nur nach Schwangerschaft sichtbar gemacht werden – denn Körper verändern sich eben nicht nur dadurch. Und gerade bei Endometriose sei das so sensibel, weil viele Betroffene zusätzlich mit falschen Informationen und oft auch mit einem unerfüllten Kinderwunsch kämpfen.

Dann kam dieser Satz, der mich wirklich still gemacht hat:
Sie sagte, viele Fotos hätten sie nicht nur zum Lächeln gebracht, sondern wirklich berührt, weil sie beweisen, „dass da nicht nur der körperlich kranke Teil in mir ist“. Und dass ich es geschafft hätte, ihre Stärke zeitgleich mit ihrer Sanftheit und Weiblichkeit einzufangen.

Sie erwähnte auch ehrlich diese kleinen kritischen Gedanken, die manchmal auftauchen (Gewichtsverlust, Körperstellen, die sich je nach Zyklus anders anfühlen) – und trotzdem: Sie liebt das Spiel aus Licht und Schatten, die Natürlichkeit, die Dynamik. Und dass die Bilder nicht massiv bearbeitet sind, macht sie „wirklich baff“ – manche würde sie sich am liebsten direkt ausdrucken.

Diese Zeilen haben mich nicht stolz gemacht. Sie haben mich emotional tief berührt. Weil ich weiß, wie selten viele Frauen so auf sich schauen können – gerade dann, wenn der Körper schmerzt.

Respekt, der bleibt – weit über das Boudoirshooting hinaus

Ich habe Corinna gefragt, ob ich über ihr Boudoirshooting schreiben darf, um auf diese Erkrankungen aufmerksam zu machen und betroffenen Frauen Mut zu geben. Sie hat sich darüber sehr gefreut. Und ich bin ihr dankbar für dieses Vertrauen.

Und ich selbst? Ich bin bis heute beeindruckt. Von ihrem Umgang mit allem, was da ist. Von ihrem Mut. Von ihrer Würde. Und von dieser leisen Entscheidung, sich nicht auf „krank“ reduzieren zu lassen.

Wenn dich Corinnas Geschichte berührt, dann vielleicht, weil du etwas Ähnliches kennst. Du darfst zweifeln und trotzdem den Wunsch haben, dich wieder als Frau zu fühlen. Wenn du möchtest, begleite ich dich behutsam – mit Zeit, Wärme und einem Blick, der nicht bewertet. Und wir finden gemeinsam heraus, was sich für dich stimmig anfühlt.(auch wenn du aus Göttingen, Fulda, Marburg oder Paderborn kommst). 

PS: Mit diesem Beitrag möchte ich betroffenen Frauen zeigen, dass Sie nicht alleine sind. Corinna und ich möchten dir mut machen: Mut „Ja“ zu dir zu sagen, Mut dir zu Vertrauen und Mut wieder Frau zu sein!

PPS: Mehr über Corinna und Ihren Umgang mit Endo & Andeno auf ihrem Instagramaccount unter @endo_insight

Einige Inspirationen aus dem Fotoshooting mit Corianna – danke für dein grosses Vertrauen, dass ich dich kennenlernen durfte und du mit deinen Bildern Frauen Mut machst:

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